Götz George war der deutsche Schauspieler, der als brachialer Duisburger Kommissar Horst Schimanski das Genre Tatort revolutionierte und in über 200 Film- und Fernsehproduktionen zwischen Ruhrpott-Milieu und Charakterdrama brillierte. Geboren am 23. Juli 1938 in Berlin, gestorben am 19. Juni 2016 in Hamburg, gehörte er über fünf Jahrzehnte zu den prägendsten Gesichtern des deutschsprachigen Films. Wer verstehen will, wie ein einziger Rollentyp ein ganzes Genre umkrempeln kann, kommt an seiner Biografie nicht vorbei.
Table of Contents
Herkunft: Ein Schauspielername als Erbe
Der gebürtige Berliner kam nicht zufällig zur Schauspielerei. Sein Vater Heinrich George zählte zu den bedeutendsten Charakterdarstellern der Weimarer Republik, seine Mutter Berta Drews war ebenfalls eine gefragte Bühnen- und Filmschauspielerin. Benannt wurde der Sohn nach Götz von Berlichingen – einer Paraderolle seines Vaters.
Die Kindheit war von Verlust geprägt: Heinrich George starb 1946 im sowjetischen Speziallager Sachsenhausen, kurz nach Kriegsende. Der junge Götz wuchs bei seiner Mutter in Berlin auf, besuchte später ein Internat in der Schweiz und stand schon als Kind auf der Bühne des Hebbel-Theaters. Seine schauspielerische Ausbildung erhielt er bei Else Bongers im UFA-Nachwuchsstudio, bevor ihn ein Engagement an Heinz Hilperts Deutschem Theater in Göttingen von 1959 bis 1963 endgültig ins Fach führte.
Vom Nebendarsteller zum Publikumsliebling
Sein Filmdebüt feierte er bereits 1953 neben der jungen Romy Schneider in „Wenn der weiße Flieder wieder blüht“. Den ersten großen Karrieresprung brachte 1959 die Rolle des törichten Boxers in „Jacqueline“, für die er mit gerade 22 Jahren das Filmband in Silber erhielt.
In den Sechzigern etablierte er sich als Publikumsliebling – unter anderem durch Nebenrollen in den Karl-May-Verfilmungen, etwa als Fred Engel in „Der Schatz im Silbersee“. Zwischen 1959 und 1969 stand er in 26 Kinofilmen vor der Kamera, darunter Wolfgang Staudtes Kriegsdrama „Kirmes“. Weil er mit dem Neuen Deutschen Film und Regisseuren wie Rainer Werner Fassbinder wenig anfangen konnte, verlegte er sich in den Siebzigern zunehmend aufs Theater.
Die Rolle seines Lebens: Horst Schimanski
Am 28. Juni 1981 lief zum ersten Mal ein Tatort mit einem Ermittler, der fluchte, prügelte und in abgewetzter Feldjacke durch Duisburg zog. Horst Schimanski brach mit allem, was ein deutscher Fernsehkommissar bis dahin sein durfte, und sorgte prompt für Empörung: Presse und Polizei forderten zeitweise, die Figur wieder aus dem Programm zu nehmen.
Der Widerstand kippte in Kult. Insgesamt spielte der Wahl-Duisburger die Rolle 29 Mal im klassischen Tatort-Format, ergänzt durch eine eigene Schimanski-Reihe ab Mitte der Neunziger – zuletzt 2013 als Geschenk des Senders WDR zum 75. Geburtstag des Darstellers. Zwei Kinofilme, „Zahn um Zahn“ (1985) und „Zabou“ (1987), führten die Figur sogar auf die große Leinwand.
| Schimanski-Fakten | Angabe |
|---|---|
| Erste Ausstrahlung | 28. Juni 1981 |
| Klassische Tatort-Folgen | 29 |
| Letzter Einsatz | 2013 |
| Kinoableger | „Zahn um Zahn“, „Zabou“ |
| Denkmal | Bronzebüste, Horst-Schimanski-Gasse, Duisburg-Ruhrort |
Duisburg hat der Figur längst ein eigenes Denkmal gewidmet: In der Horst-Schimanski-Gasse in Ruhrort steht eine Bronzebüste, und der originale Citroën aus der Serie wurde 2021 von der Stadt aufgekauft und restauriert.
Charakterrollen jenseits des Ruhrpotts
Wer den Schauspieler auf „Schimmi“ reduziert, übersieht sein eigentliches Können. In Helmut Dietls Satire „Schtonk!“ (1992) über die gefälschten Hitler-Tagebücher spielte er einen schmierigen Boulevardjournalisten – ein Erfolg bei Publikum und Kritik, der sogar zur offiziellen deutschen Oscar-Einreichung wurde. 1997 folgte mit „Rossini“ ein weiterer Dietl-Erfolg.
Den vielleicht anspruchsvollsten Part seiner Laufbahn lieferte er 1995 als Serienmörder Fritz Haarmann in Romuald Karmakars „Der Totmacher“. Für diese Darstellung erhielt er den Coppa Volpi der Filmfestspiele Venedig sowie erneut das Filmband in Gold. Auch heikle historische Stoffe schreckten ihn nicht ab: 1998 verkörperte er den KZ-Arzt Josef Mengele, 2013 im Dokudrama „George“ sogar seinen eigenen Vater Heinrich George – eine Auseinandersetzung mit der Frage nach künstlerischer Verantwortung in der Diktatur.
Auszeichnungen: Ein Lebenswerk in Preisen
Die Zahl seiner Ehrungen ist beachtlich für eine deutsche Schauspielkarriere:
Filmband in Silber (1960) für „Jacqueline“
Deutscher Kritikerpreis (1961)
Bambi als beliebtester deutscher Schauspieler (1962)
Coppa Volpi, Filmfestspiele Venedig (1995)
Deutscher Filmpreis, mehrfach in Gold, zuletzt für „Der Totmacher“ (1996)
Emmy Award für „Mein Vater“ als bester ausländischer Fernsehfilm (2003)
Ehrenpreis des Deutschen Schauspielpreises für sein Lebenswerk (Berlinale 2013)
Großes Bundesverdienstkreuz, verliehen 2014 von Altbundespräsident Joachim Gauck
In der Ordensbegründung hieß es sinngemäß, er habe Film und Fernsehen der Bundesrepublik mitgeprägt und stets mit den besten Regisseuren des Landes zusammengearbeitet.
Privatleben und letzte Jahre
1966 heiratete er Loni von Friedl, die Ehe wurde 1976 geschieden. Seine langjährige Lebenspartnerin Marika Ullrich ehelichte er erst 2014, nachdem beide viele Jahre auf Sardinien gelebt hatten. Im selben Jahr kündigte er nach 65 Arbeitsjahren an, sich aus dem aktiven Schauspielgeschäft weitgehend zurückzuziehen.
2015 stand er ein letztes Mal vor der Kamera: Im ARD-Krimidrama „Böse Wetter“ spielte er einen Bergbau-Baron im Harz. Am 19. Juni 2016 starb er nach kurzer Krankheit in Hamburg im Alter von 77 Jahren – die Nachricht löste bundesweit Bestürzung aus.
Warum die Figur bis heute nachwirkt
Zehn Jahre nach seinem Tod bleibt die Wirkung greifbar. Duisburg lebt touristisch von Schimanski-Führungen samt Currywurst-Stopp an den Originaldrehorten, während jüngere Generationen die Figur kaum noch kennen – ein Hinweis darauf, wie stark Fernsehfiguren an ihre Zeit gebunden bleiben. Für das Ruhrgebiet wurde der raubeinige Ermittler dennoch zur Identifikationsfigur, weit über seine ursprüngliche Rolle als Reizfigur hinaus.
Fachkollegen wie Regisseur Helmut Dietl brachten die darstellerische Bandbreite einst auf den Punkt: Der Mann könne „jedes Semikolon sprechen“ – ein Kompliment, das seine Präzision jenseits der groben Schimanski-Fassade beschreibt. Genau diese Spannbreite zwischen Krawall-Kommissar und feinnervigem Charakterdarsteller macht seine Karriere zu einem Referenzfall deutscher Fernsehgeschichte.
Häufig gestellte Fragen (FAQs)
Wie alt wurde Götz George?
Götz George wurde 77 Jahre alt. Er kam am 23. Juli 1938 in Berlin zur Welt und starb am 19. Juni 2016 in Hamburg nach kurzer Krankheit.
Wer waren die Eltern von Götz George?
Seine Eltern waren die Schauspieler Heinrich George und Berta Drews. Der Vater galt als einer der bedeutendsten Charakterdarsteller der Weimarer Republik, die Mutter war ebenfalls eine etablierte Bühnen- und Filmschauspielerin.
Wie viele Tatort-Folgen hat Götz George als Schimanski gedreht?
Insgesamt spielte er den Kommissar Horst Schimanski 29 Mal im klassischen Tatort-Format, ergänzt durch eine eigene Schimanski-Fernsehreihe und zwei Kinofilme.
Welche Auszeichnung erhielt Götz George kurz vor seinem Tod?
2014 erhielt er das Große Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland, verliehen von Altbundespräsident Joachim Gauck für seine Verdienste um Film, Fernsehen und sein soziales Engagement.
Mehr lesen: Southside 2024
