Table of Contents
Josephine Ballon: Die Juristin hinter HateAid
Josephine Ballon ist Rechtsanwältin und leitet seit September 2023 gemeinsam mit Anna-Lena von Hodenberg die Berliner Organisation HateAid, die sich gegen digitale Gewalt und Hasskommentare im Netz einsetzt. Zur gemeinnützigen GmbH kam die Juristin bereits im November 2019, damals noch als Head of Legal. Studiert hat sie Rechtswissenschaft an der Universität Potsdam, ihre Zulassung als Anwältin erhielt sie 2018.
Wer verstehen will, warum ihr Name inzwischen weit über Fachkreise hinaus bekannt ist, muss sich sowohl ihren juristischen Werdegang als auch die zunehmend politisch aufgeladene Arbeit von HateAid ansehen.
Vom Studium in Potsdam zur ersten Anwaltsstation
Ihr Jurastudium absolvierte Ballon zwischen 2009 und 2015 an der Universität Potsdam, im Anschluss folgte das Referendariat. 2018 wurde sie als Rechtsanwältin zugelassen und arbeitete zunächst im Bereich Verbraucher:innenrecht und Legal Tech – Themenfelder, die ihr später bei HateAid zugutekamen, weil dort juristische Präzision und technisches Verständnis gleichermaßen gefragt sind.
Diese Kombination aus klassischer Anwaltsausbildung und Digitalaffinität unterscheidet sie von vielen Kolleg:innen, die ausschließlich analog geprägt sind.
Der Wechsel zu HateAid: Kampf gegen digitale Gewalt professionalisieren
HateAid wurde 2018 in Berlin gegründet, initiiert von den Organisationen Campact und Fearless Democracy zusammen mit Anna-Lena von Hodenberg. Die Idee dahinter: Betroffenen von Hass im Netz nicht nur zuzuhören, sondern sie auch juristisch zu unterstützen und Täter:innen konsequent zur Rechenschaft zu ziehen. Ballon stieß im November 2019 dazu und übernahm die rechtliche Leitung.
Innerhalb weniger Jahre stieg sie zur zweiten Geschäftsführerin auf. Seit September 2023 führt sie die Organisation gemeinsam mit von Hodenberg, mittlerweile beschäftigt HateAid rund 55 Mitarbeitende.
Karrierestationen im Überblick
| Zeitraum | Station |
|---|---|
| 2009–2015 | Studium der Rechtswissenschaft, Universität Potsdam |
| 2018 | Zulassung als Rechtsanwältin, Tätigkeit in Verbraucherrecht und Legal Tech |
| November 2019 | Eintritt bei HateAid als Head of Legal |
| September 2023 | Co-Geschäftsführerin von HateAid, gemeinsam mit Anna-Lena von Hodenberg |
| Juli 2024 | Mitglied im Beirat der Koordinierungsstelle für Digitale Dienste in Deutschland |
Themenschwerpunkte: Von Hasskommentaren bis zu Deepfakes
Ballons juristische Arbeit dreht sich um ein breites Spektrum: Beleidigungen, Vergewaltigungs- und Morddrohungen, unerwünschte Nacktbilder und zunehmend auch sexualisierte Deepfakes. Gegenüber dem Anwaltsblatt brachte sie das Grundproblem der deutschen Rechtsdurchsetzung auf den Punkt: Das Internet sei kein rechtsfreier, aber ein rechtsdurchsetzungsfreier Raum. Die Kostenordnung für solche Verfahren stamme noch aus analogen Zeiten, Gerichte setzen den Streitwert im Schnitt bei rund 10.000 Euro an – für viele Betroffene ein finanzielles Hindernis, das von einer Klage abhält.
Im Gespräch mit dem Handelsblatt beschrieb sie, wie sexualisierte digitale Gewalt von Hasskommentaren über Drohungen bis zu manipulierten Nacktfotos reicht und längst kein Randphänomen mehr ist. In einem TEDx-Talk in Münster mit dem Titel „Let’s defend democracy against online hate!“ erweiterte sie diesen Blick um die gesellschaftliche Ebene: Unregulierte Plattformmacht gefährde aus ihrer Sicht demokratische Diskurse insgesamt.
Ein konkretes Projekt trägt diesen Ansatz nach außen: Über die Plattform dickstinction.com können Betroffene unerwünschte Nacktfotos direkt zur Anzeige bringen.
Öffentliche Konflikte: US-Sanktionen gegen HateAid
Im Februar 2026 sorgte eine Recherche der New York Times für internationale Schlagzeilen: Ballon gehörte demnach zusammen mit drei weiteren europäischen Aktivistinnen zu jenen Personen, die von der US-Regierung unter Präsident Trump sanktioniert wurden. Hintergrund war ihr Engagement gegen Online-Missbrauch von Frauen im Netz. Der Vorgang wurde in Fachkreisen als Versuch gedeutet, europäische Regulierungsansätze gegenüber großen Tech-Plattformen politisch unter Druck zu setzen.
Für HateAid und ihre Co-Chefin bedeutete das eine neue Dimension der Auseinandersetzung: Was zuvor primär ein juristisch-gesellschaftliches Thema war, wurde plötzlich außenpolitisch verhandelt.
Josephine Ballon als Stimme in Medien und Vorträgen
Neben der operativen Führung von HateAid tritt Ballon regelmäßig als Gesprächspartnerin auf. Sie war Gast im Podcast der Heinrich-Böll-Stiftung, wo sie mit Jan Philipp Albrecht und Imme Scholz über sexualisierte Deepfakes sprach, und gab dem Fachportal LTO ein Interview über ihren Berufsalltag zwischen Jura und Krisenkommunikation. Auch im Interview mit dem Energieanbieter-Blog Naturstrom sprach sie gemeinsam mit von Hodenberg über die Grenzen zwischen individueller Betroffenenhilfe und struktureller Plattformkritik.
Seit Juli 2024 sitzt sie zudem im Beirat der deutschen Koordinierungsstelle für Digitale Dienste – jener Instanz, die die Umsetzung des europäischen Digital Services Act hierzulande begleitet. Ihre Doppelrolle als Praktikerin und Beraterin verschafft ihr in politischen Debatten über Plattformregulierung ein Gewicht, das über die reine Verbandsarbeit hinausgeht.
Warum HateAid unter ihrer Führung an Bedeutung gewinnt
Als unabhängige und überparteiliche Organisation hat HateAid seit der Gründung 2018 ein Beratungsangebot aufgebaut, das inzwischen zu den bekanntesten Anlaufstellen für digitale Gewalt in Deutschland zählt. Ballons Anteil daran liegt weniger in spektakulären Einzelfällen als in der systematischen juristischen Professionalisierung: standardisierte Verfahren, klare Kommunikation gegenüber Plattformen und eine zunehmend europapolitische Ausrichtung der Beratungsarbeit.
Die internationale Aufmerksamkeit durch die US-Sanktionen hat diese Arbeit zusätzlich sichtbar gemacht, wenn auch auf eine Weise, die sich HateAid selbst kaum ausgesucht hätte.
Häufig gestellte Fragen (FAQs)
Wer ist Josephine Ballon und was macht sie bei HateAid?
Josephine Ballon ist eine deutsche Rechtsanwältin und seit September 2023 Co-Geschäftsführerin der Organisation HateAid in Berlin, die Betroffene digitaler Gewalt berät und rechtlich unterstützt. Zuvor war sie ab November 2019 als Head of Legal bei HateAid tätig.
Seit wann ist Josephine Ballon Geschäftsführerin von HateAid?
Seit September 2023 führt Josephine Ballon HateAid gemeinsam mit Anna-Lena von Hodenberg als Co-Geschäftsführerin.
Was hat es mit den US-Sanktionen gegen Josephine Ballon auf sich?
Im Februar 2026 berichtete die New York Times, dass Ballon zusammen mit drei weiteren europäischen Aktivistinnen von der US-Regierung unter Präsident Trump sanktioniert wurde, im Zusammenhang mit ihrem Engagement gegen Online-Missbrauch von Frauen.
Wo hat Josephine Ballon Jura studiert?
Josephine Ballon studierte zwischen 2009 und 2015 Rechtswissenschaft an der Universität Potsdam und wurde 2018 als Rechtsanwältin zugelassen.
Mehr lesen: Jennifer Bourguignon
